Вячеслав Бутусов - Biografie und Diskografie, alle Alben und Songs

Вячеслав Бутусов

Wjatscheslaw Butussow ist ein sowjetischer und russischer Rockmusiker, Sänger, Komponist, Gitarrist und Songwriter, geboren am 15. Oktober 1961 in Krasnojarsk. Er ist Gründer und langjähriger Frontmann von Nautilus Pompilius sowie später der Band «Ю-Питер» und des Projekts «Орден Славы». Seine künstlerische Laufbahn umfasst mehr als vier Jahrzehnte: von der Swerdlowsker New-Wave-Szene der 1980er und dem gitarrenbetonten Rock der 1990er bis hin zu Kammermusik, symphonischen und choralen Arbeiten.

Das wichtigste Kapitel in Butussows Karriere ist mit Nautilus Pompilius verbunden. In dieser Band entstanden «Скованные одной цепью», «Взгляд с экрана», «Я хочу быть с тобой», «Последнее письмо», «Прогулки по воде», «Титаник», «Дыхание», «Крылья» und weitere Lieder, die zu festen Bestandteilen des russischen Rockrepertoires wurden. Dabei ist die Urheberschaft des klassischen Materials genau zu unterscheiden: Butussow schrieb vor allem die Musik und sang die Stücke, während die Texte eines großen Teils der bekanntesten Songs vom Dichter Ilja Kormilzew stammen. Im frühen Repertoire verfassten außerdem Butussow selbst und Dmitri Umezki Texte.

Vollständiger Name: Wjatscheslaw Gennadjewitsch Butussow
Geburtsdatum: 15. Oktober 1961
Geburtsort: Krasnojarsk, Russische SFSR, UdSSR
Wichtigste Projekte: Nautilus Pompilius, «Ю-Питер», «Орден Славы»
Tätigkeit: Musiker, Sänger, Komponist, Songwriter, Schriftsteller
Instrumente: Gesang, Gitarre
Wichtigste Stilrichtungen: Rock, Post-Punk, Art Rock, Alternative Rock

Kindheit in Sibirien und Umzug nach Swerdlowsk

Butussow wurde in Krasnojarsk geboren und verbrachte seine ersten Lebensjahre in der Nähe des Bahnhofs Bugatsch. Da sein Vater im Verkehrsbau tätig war, zog die Familie mehrfach um. Der spätere Musiker wuchs in verschiedenen Städten Sibiriens auf und lebte unter anderem in Chanty-Mansijsk und Surgut. Erst während seiner letzten Schuljahre wurde Swerdlowsk zu seinem dauerhaften Wohnort.

Nach der Schule begann Butussow ein Studium am Swerdlowsker Architekturinstitut. Architektur war in seiner Biografie keineswegs nur eine Randepisode: Er schloss das Studium ab und arbeitete einige Zeit tatsächlich in diesem Beruf. Unter anderem war er an der Planung der Swerdlowsker Metro beteiligt.

Doch gerade am Institut machte er auch die für seine musikalische Laufbahn entscheidende Bekanntschaft. Im ersten Studienjahr lernte Butussow Dmitri Umezki kennen, der Bassgitarre spielte. Gemeinsam hörten sie Rockmusik, analysierten Songs anderer Künstler, versuchten eigenes Material zu schreiben und spielten in einer Studentengruppe. Aus dieser Zusammenarbeit entwickelte sich nach und nach eine Band, die zunächst schlicht «Наутилус» hieß und später den Namen Nautilus Pompilius erhielt.

Die ersten Aufnahmen von Nautilus Pompilius

Die Geschichte von Nautilus Pompilius wird gewöhnlich auf den Beginn der 1980er Jahre datiert. 1983 nahmen Butussow und Umezki «Переезд» auf, ein frühes Album, das noch deutlich von jenem Klang entfernt war, mit dem die Band einige Jahre später verbunden werden sollte. Die Musiker suchten nach einer eigenen Sprache und verbanden Einflüsse westlicher Rockmusik mit der Songtradition der Swerdlowsker Szene.

Ungefähr zur selben Zeit lernte Butussow den Dichter und Übersetzer Ilja Kormilzew kennen. Ihre Zusammenarbeit entwickelte sich nicht sofort zu einer dauerhaften Autorenpartnerschaft. Einer der ersten Nautilus-Pompilius-Songs mit einem Text von Kormilzew war «Кто я?», der auf dem Album «Невидимка» von 1985 erschien.

Für die weitere Geschichte der Band erwies sich diese Begegnung als entscheidend. Zwischen Butussow und Kormilzew entstand eine für Rockmusik ungewöhnliche Arbeitsweise: Musik und Text existierten häufig zunächst unabhängig voneinander und wurden erst später zu einem Song zusammengeführt. Kormilzew brachte eine Sprache ins Repertoire, in der Gesellschaftssatire neben literarischen Bildern, Absurdität, Parabeln und Mehrdeutigkeit stand. Butussow fand für diese Texte die passende melodische Form.

«Разлука» und der Durchbruch von Nautilus Pompilius

Der eigentliche Wendepunkt kam im Sommer 1986. In Swerdlowsk wurde das Album «Разлука» aufgenommen, nach dem Nautilus Pompilius nicht länger nur eine auffällige lokale Band war.

An den Aufnahmen waren Butussow, Dmitri Umezki, Keyboarder Wiktor Komarow und Saxofonist Alexei Mogilewski beteiligt. Es entstand ein für seine Zeit sehr typischer und dennoch sofort wiedererkennbarer Sound: Drumcomputer, Synthesizer, Saxofon, Bass, vergleichsweise sparsame Gitarrenparts und Butussows zurückhaltender Gesang.

Auf «Разлука» finden sich «Эта музыка будет вечной», «Казанова», «Взгляд с экрана», «Хлоп-хлоп», «Шар цвета хаки», «Наша семья» und «Скованные одной цепью». Den Großteil der Texte schrieb Kormilzew, einige Lieder stammten jedoch von Butussow selbst.

Besonders wirkungsvoll war der Kontrast zwischen Musik und Texten. Die Band konnte beinahe tanzbaren New Wave spielen, während die Worte von Konformismus, Entindividualisierung, abgeschottetem Alltag oder gesellschaftlichem Druck handelten. Butussow versuchte dabei nicht, das Konzert in eine theatralische Rock-Deklaration zu verwandeln. Seine Bewegungslosigkeit, der ruhige Gesangsstil und die distanzierte Bühnenpräsenz wirkten ebenso stark wie offene Expressivität.

Nach Auftritten bei Festivals des Swerdlowsker Rockclubs verbreitete sich die Bekanntheit der Band schnell über den Ural hinaus. 1987 und 1988 tourte Nautilus Pompilius intensiv durch die UdSSR und gehörte bald zu den gefragtesten Gruppen der neuen sowjetischen Rockszene.

«Я хочу быть с тобой», «Последнее письмо» und die erste Krise der Band

Gegen Ende der 1980er Jahre wurde das Repertoire von Nautilus Pompilius weiter ausgebaut. In dieser Zeit entstanden unter anderem «Я хочу быть с тобой», «Доктор твоего тела», «Стриптиз» und «Последнее письмо». Ein Teil dieses Materials wurde vom staatlichen Label Melodija auf der Schallplatte «Князь тишины» veröffentlicht.

«Последнее письмо» wurde später unter dem inoffiziellen Titel «Гудбай, Америка!» wesentlich bekannter, obwohl der Song in der ursprünglichen Diskografie tatsächlich «Последнее письмо» heißt.

Die enorme Popularität löste die internen Spannungen nicht. Butussow und Umezki hatten unterschiedliche Vorstellungen von der weiteren Entwicklung der Band. 1988 verließ Umezki die Hauptbesetzung, kurz darauf löste Butussow die damals bestehende Konzertformation auf.

Ein erneuter Versuch, zu zweit zusammenzuarbeiten, führte zu Aufnahmen für das Projekt «Человек без имени». Geplant war eine Verbindung zu einem gleichnamigen Film, der jedoch nie realisiert wurde. Die Zusammenarbeit zwischen Butussow und Umezki endete erneut, während das bereits 1989 aufgenommene Album erst deutlich später offiziell erschien.

Die Petersburger Phase: ein anderes Nautilus Pompilius

An der Schwelle von den 1980er zu den 1990er Jahren zog Butussow nach Leningrad und stellte eine neue Version von Nautilus Pompilius zusammen. Die Band entfernte sich allmählich von der Keyboard- und Saxofonästhetik der Swerdlowsker Besetzung. Stattdessen rückte der Gitarrensound in den Mittelpunkt.

Die Besetzung wechselte mehrfach, doch in verschiedenen Jahren spielten die Gitarristen Alexander Beljajew, Jegor Belkin und Nikolai Petrow, Bassist Igor Kopylow und Schlagzeuger Albert Potapkin wichtige Rollen. Später kehrte auch Alexei Mogilewski in die Band zurück.

Die personellen Veränderungen beeinflussten auch die Musik. Während «Разлука» vor allem mit New Wave verbunden wird, klang Nautilus Pompilius in den 1990er Jahren härter und deutlich stärker nach Gitarrenrock. Auch Kormilzews Lyrik veränderte sich. Direkte gesellschaftliche Ironie trat zunehmend hinter religiöse Bilder, Mythologie, innere Konflikte, Parabeln und Themen persönlicher Entscheidung zurück.

Zu Beginn des Jahrzehnts erschienen die Alben «Наугад», «Родившийся в эту ночь» und «Чужая земля». Letzteres wurde zu einer der wichtigsten Platten der reifen Nautilus-Pompilius-Phase. Mit ihm verbunden sind «Прогулки по воде», «На берегу безымянной реки», «Чужая земля» und «Эти реки».

«Прогулки по воде» ist besonders charakteristisch für die Arbeitsweise von Butussow und Kormilzew. Das Lied ist als fiktives Gespräch zwischen dem Apostel Andreas und Christus aufgebaut, stellt jedoch keine Nacherzählung einer Evangeliengeschichte dar. Kormilzew verwendet das religiöse Motiv als künstlerische Parabel, während Butussows ruhige Melodie daraus einen der bekanntesten Songs der Band machte.

«Титаник» und «Крылья»

1994 erschien «Титаник». Das Material wirkte deutlich geschlossener und konzentrierter als viele frühere Arbeiten aus der Zeit ständiger Besetzungswechsel. Auf dem Album finden sich «Тутанхамон», «Титаник», «Воздух», «Колёса любви», «Утро Полины» und «Зверь».

Das nächste große Werk, «Крылья», wurde 1995 in Sankt Petersburg aufgenommen und Anfang 1996 veröffentlicht. Der Titelsong wurde zu einem der bedeutendsten späten Stücke von Nautilus Pompilius. Zum selben Album gehören außerdem «Дыхание», «Железнодорожник», «Золотое пятно» und «Кто ещё».

Zu diesem Zeitpunkt unterschied sich die Band bereits erheblich von Nautilus Pompilius zur Zeit von «Разлука». Geblieben waren Butussows Stimme, seine Musik und die Autorenpartnerschaft mit Kormilzew. Alles andere — Besetzung, Arrangements, Klangfarbe der Gruppe und Bühnenpräsentation — hatte sich mehrfach verändert.

«Яблокитай» und das Ende von Nautilus Pompilius

Das letzte grundlegend neue Studioalbum der Band war «Яблокитай». Es wurde Ende 1996 im britischen Fairview Studio aufgenommen. Der englische Musiker und Produzent Bill Nelson war an den Sessions beteiligt, in einzelnen Stücken außerdem Boris Grebenschtschikow.

«Яблокитай» nimmt innerhalb der Diskografie von Nautilus Pompilius eine besondere Stellung ein. Die damalige Konzertbesetzung war an den Aufnahmen praktisch nicht beteiligt; die wesentliche musikalische Arbeit leisteten Nelson und Butussow gemeinsam. Die Texte stammten erneut von Kormilzew.

Als das Album erschien, hatte Butussow bereits beschlossen, die Geschichte der Band zu beenden. Das Abschiedsprogramm erhielt den Titel «Последнее плавание». Am 14. Juni 1997 fand in Jekaterinburg das letzte offizielle Konzert von Nautilus Pompilius statt.

Danach wurde der Name gelegentlich in Jubiläums- und Retrospektivzusammenhängen verwendet, Musiker verschiedener Besetzungen kamen für einzelne Auftritte zusammen, und Butussow spielte das alte Repertoire weiterhin live. Eine dauerhafte Band Nautilus Pompilius wurde nach 1997 jedoch nicht wiedergegründet.

Butussow und der Film «Брат»

Ein eigenes Kapitel verbindet Butussows Musik mit dem Regisseur Alexei Balabanow. Beide kannten sich bereits aus Swerdlowsk, und die Songs von Nautilus Pompilius spielten im Film «Брат» von 1997 eine wichtige Rolle.

Für den Protagonisten Danila Bagrow ist Nautilus die Lieblingsband, weshalb die Musik nicht nur außerhalb der Handlung als Soundtrack verwendet wird, sondern auch innerhalb der Filmwelt selbst existiert. Butussow tritt in dem Film als er selbst auf. Mehrere Songs von Nautilus Pompilius sind zu hören, und eine Szene mit Dreharbeiten zu einem Musikvideo steht im Zusammenhang mit dem Stück «Крылья».

Später wurde Musik von Butussow und mit ihm verbundenen Projekten auch in anderen Filmen Balabanows verwendet. Für «Брат 2» wurde unter anderem «Гибралтар-Лабрадор» ausgewählt, das Butussow im Rahmen von Boris Grebenschtschikows Projekt «Террариум» sang. Der Musiker war außerdem an der musikalischen Arbeit zu den Filmen «Война» und «Жмурки» beteiligt.

Nach Nautilus: die Suche nach einem neuen Format

Nach der Auflösung der Band versuchte Butussow nicht, unter einem anderen Namen einfach eine Kopie von Nautilus Pompilius aufzubauen. Das Ende der 1990er und der Beginn der 2000er Jahre wurden für ihn zu einer Phase sehr unterschiedlicher Experimente.

1998 erschien das Soloalbum «Овалы». Im Jahr 2000 nahm er gemeinsam mit der Gruppe «Deadушки» «Элизобарра-торр» auf — ein Werk, in dem Butussows Stimme und seine melodische Handschrift in einem elektronischen Umfeld standen. Außerdem wirkte er an Boris Grebenschtschikows Projekt «Террариум» mit.

Die Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Juri Kasparjan von Kino führte Butussow allmählich zu seiner nächsten festen Band.

«Ю-Питер»: Butussow und Juri Kasparjan

«Ю-Питер» wurde 2001 in Sankt Petersburg von Wjatscheslaw Butussow und Juri Kasparjan gegründet. Zur ursprünglichen Besetzung gehörten außerdem Oleg Sakmarow und Schlagzeuger Jewgeni Kulakow.

Allein Kasparjans Mitwirkung verband die neue Gruppe zwangsläufig mit dem musikalischen Erbe von Kino. Dennoch war «Ю-Питер» weder als Rekonstruktion von Kino noch von Nautilus Pompilius gedacht. Butussow schrieb neues Material, während Kasparjans charakteristische Gitarrensprache zu einem wichtigen Bestandteil des Sounds wurde.

Das erste vollständige Album «Имя рек» erschien 2003. Ein Jahr später folgte «Биографика». Darauf finden sich «Песня идущего домой» und «Девушка по городу», zwei der bekanntesten Stücke von «Ю-Питер».

Nach einer vierjährigen Pause veröffentlichte die Band «Богомол» (2008), gefolgt von «Цветы и тернии» (2010). Letzteres enthält mit «Дети минут» ein ungewöhnliches Werk in Butussows Diskografie: Den Text hatte Wiktor Zoi bereits Ende der 1980er Jahre geschrieben, die Musik komponierte Butussow zwei Jahrzehnte später. Den Gitarrenpart spielte Kasparjan.

Das fünfte und letzte Studioalbum von «Ю-Питер» war «Гудгора», veröffentlicht 2015. Zu diesem Zeitpunkt existierte die Band bereits deutlich länger als die meisten einzelnen Besetzungen von Nautilus Pompilius.

Im Februar 2017 endete die Geschichte von «Ю-Питер». Die Gruppe bestand rund sechzehn Jahre und hinterließ fünf zentrale Studioalben: «Имя рек», «Биографика», «Богомол», «Цветы и тернии» und «Гудгора».

Rückkehr zu Kormilzews Vermächtnis

Nach «Ю-Питер» wandte sich Butussow immer häufiger seiner eigenen musikalischen Vergangenheit zu, allerdings nicht in Form einer wörtlichen Wiederherstellung früherer Besetzungen.

2017 nahm er «Гудбай, Америка!» auf, ein Album mit neuen Versionen von Nautilus-Pompilius-Songs, das zum 35-jährigen Bestehen der Band entstand. Darauf finden sich unter anderem «Эта музыка будет вечной», «Взгляд с экрана», «Казанова», «Титаник», «Дыхание», «Скованные одной цепью», «Я хочу быть с тобой» und «Последнее письмо».

Im selben Jahr erschien «Иллюминатор», ein eigenständiges Projekt auf Texte von Ilja Kormilzew. Für Butussow war es eine Fortsetzung der Arbeit mit dem Nachlass des Dichters, viele Jahre nach dessen Tod.

Diese Arbeitsweise wurde charakteristisch für Butussows spätere Phase: Alte Songs kehren nicht lediglich in die Konzertprogramme zurück, sondern erhalten neue Arrangements — elektrisch, akustisch, kammermusikalisch oder symphonisch.

«Орден Славы»

Butussows nächste feste Band erhielt den Namen «Орден Славы». Das erste Album der Gruppe, «Аллилуия», erschien 2019.

Auf dieser Platte trat Butussow nicht nur als Sänger und Komponist, sondern auch als Haupttexter auf. Die elektrischen Parts wurden in Moskau aufgenommen; für mehrere Arrangements kamen außerdem symphonische Instrumente und ein Kinderchor zum Einsatz. Zum Programm gehörten «Идиот», «К Ангелам», «Дети сидят в интернете», «Если я стану рыбой», «Аллилуия, София!» und weitere Stücke.

Die Einbeziehung klassisch ausgebildeter Musiker war kein einmaliges Experiment dieses Albums. Bereits vor der Gründung von «Орден Славы» hatte Butussow mit der Pianistin Jekaterina Metschetina und dem Akademischen Jugendchor des Fernsehens und Radios von Sankt Petersburg an dem Musiktheaterprogramm «Пробуждённая радость» gearbeitet. Ältere Rockstücke wurden dort als kammermusikalische Werke neu interpretiert.

2020 veröffentlichten Butussow und Metschetina das Instrumentalalbum ChiaroScuro. Es gehört zu den Werken, die besonders deutlich zeigen, wie weit sich Butussows spätes Schaffen vom klassischen Rockband-Format entfernt hat.

«Плач Адама» und «Мертвец»

In den 2020er Jahren verband Butussow Rock weiterhin mit großen akademischen Formen. Das Ergebnis einer mehrjährigen Arbeit war der symphonische Zyklus «Плач Адама», der auf biblischen Bildern beruht.

Eine Albumfassung des Projekts erschien 2025. An den Aufnahmen wirkten das Symphonieorchester der Leningrader Region «Tawritscheski» unter der Leitung von Michail Golikow sowie der Akademische Jugendchor des Fernsehens und Radios von Sankt Petersburg unter der Leitung von Igor Gribkow mit.

Ebenfalls 2025 veröffentlichten Butussow und «Орден Славы» ihr zweites Studioalbum «Мертвец». Darauf befinden sich «На небе всегда кто-то есть», «Мертвец», «О чём молчат деревья», «Город», «Голос воды», «Родом из Рая», «Ниспошли», «Начало», «Три сестры» und «Война и мир».

2026 erschien die Komposition «Серафим», für die Butussow sowohl Musik als auch Text schrieb. Der Song wurde mit einem Chor unter der Leitung von Igor Gribkow aufgenommen. Die Arbeit mit choralen und symphonischen Klangfarben war damit zu einem festen Bestandteil seiner späten Schaffensphase geworden und nicht länger nur eine gelegentliche Abweichung vom Rockformat.

Literatur, Zeichnung und weitere Arbeiten

Butussows kreative Tätigkeit beschränkt sich nicht auf Musik. Seine architektonische Ausbildung sowie sein Interesse an Grafik und Literatur spiegelten sich immer wieder in seinen Projekten wider.

2007 erschien das Buch «Виргостан», das literarische Prosa mit einem spielerischen Umgang mit Sprache verbindet. Im selben Jahr veröffentlichte Butussow gemeinsam mit Nikolai Jakimtschuk «Антидепрессант. Со-Искания». 2011 folgte «Архия».

Butussow beschäftigt sich außerdem mit Illustration. Seine bildnerischen Arbeiten wirken nicht wie ein von der Musik getrenntes Hobby: Grafik, Albumgestaltung, Bühnenprojekte und Prosa bewegen sich in derselben Bildwelt wie seine Songs.

Wie Butussows Songs aufgebaut sind

Butussows Werk lässt sich nicht auf ein einzelnes Genre reduzieren. Nautilus Pompilius Mitte der 1980er Jahre war vor allem New Wave und Post-Punk mit Keyboards, Saxofon und Drumcomputer. In den 1990er Jahren wurde die Band gitarrenorientierter und stellenweise deutlich härter. «Ю-Питер» führte diese Gitarrenlinie mit Kasparjans charakteristischer Handschrift weiter. Butussows spätere Arbeiten umfassen elektronische Musik, Klavierarrangements, Symphonieorchester und Chor.

Trotz aller Veränderungen blieb seine Melodik wiedererkennbar. Butussow baut Songs nur selten um demonstrative Gesangstechnik herum. Seine Stimme funktioniert anders: kurze Phrasen, eine gleichmäßige Vortragsweise, Pausen, Wiederholungen und Intonation sind häufig wichtiger als der Stimmumfang. Gerade in diesem Kontrast wirkten Kormilzews bildreiche Texte besonders ausdrucksstark.

Ebenso wichtig ist die Unterscheidung zwischen zwei Autorenphasen. Das klassische Nautilus Pompilius war zu einem großen Teil das Ergebnis des Tandems Butussow — Kormilzew: die Musik des einen, die Texte des anderen. Nach der Auflösung der Band schrieb Butussow zunehmend selbst die Texte und griff außerdem auf Werke anderer Autoren zurück — von Alexander Puschkin und Daniil Charms bis zu Wiktor Zoi.

Die wichtigsten Etappen der Diskografie

Mit Nautilus Pompilius verbunden sind die Alben «Переезд» (1983), «Невидимка» (1985), «Разлука» (1986), «Князь тишины» (1989), «Наугад» (1990), «Родившийся в эту ночь» (1991), «Чужая земля» (1992), «Титаник» (1994), das bereits 1989 aufgenommene «Человек без имени» sowie «Крылья» und «Яблокитай» (1997). Nach dem Ende der Band wurde außerdem Archivmaterial unter dem Titel «Атлантида» veröffentlicht.

Zur Hauptdiskografie von «Ю-Питер» gehören «Имя рек» (2003), «Биографика» (2004), «Богомол» (2008), «Цветы и тернии» (2010) und «Гудгора» (2015).

Außerhalb dieser beiden Bands veröffentlichte Butussow beziehungsweise wirkte er an Werken wie «Овалы», «Элизобарра-торр», «Модель для сборки», Kharms FM, «Иллюминатор», «Гудбай, Америка!», ChiaroScuro und weiteren Projekten mit. Mit «Орден Славы» entstanden «Аллилуия» (2019) und «Мертвец» (2025), während sich der symphonische Zyklus «Плач Адама» als eigenständige Werkreihe entwickelte.

Wjatscheslaw Butussow heute

Nach dem Ende von Nautilus Pompilius gab Butussow dessen Repertoire nicht auf. Die Songs der Band machen weiterhin einen erheblichen Teil seiner Konzertprogramme aus und erhalten regelmäßig neue Arrangements. Aktuelle Auftritte unter dem Programmnamen Nautilus Pompilius sollten jedoch nicht mit einer Wiederbelebung der historischen Band verwechselt werden: Butussow spielt dieses Repertoire mit Musikern seiner heutigen Besetzung.

Mitte der 2020er Jahre arbeitet er gleichzeitig mit einer Rockband, einem Chor und symphonischen Musikern, veröffentlicht neues Material und setzt Konzertprogramme fort, die Stücke aus verschiedenen Schaffensphasen verbinden. In einem einzigen Auftritt können Songs von «Разлука», Material von «Ю-Питер» und Werke nebeneinander stehen, die fast vierzig Jahre nach den ersten Aufnahmen von Nautilus Pompilius entstanden.

Gerade diese Kontinuität beschreibt Butussows Stellung in der Geschichte der russischsprachigen Rockmusik am treffendsten. Seine Karriere endete nicht mit der Band, die ihn bekannt machte. Nautilus Pompilius wurde zu einem eigenständigen Kapitel der Musikgeschichte, «Ю-Питер» bildete die nächste große Phase, und seine späteren Projekte führten ihn in die Kammer- und Symphonikmusik, ohne die Verbindung zu den Songs zu verlieren, die bereits in der Swerdlowsker Szene der 1980er Jahre entstanden.


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